"Privater Wohnhausbau", eine Sequenz im Grundkurs Kunst 12.2.
Die Kooperation mit einem Architekturbüro bot Informationen und Verständnis zu folgenden Themen:

  • Architektenausbildung
  • Schritte vom Studium in die Selbstständigkeit
  • Kundenaufträge und Kundenbetreuung
  • Umsetzung der Kundenwünsche
  • Entwurf und Zeichnung des Bauobjekts
  • Arbeit mit dem Auftraggeber/Bauherr

 

 

 

 

 


 Idee und Konzept:

Im Kunstunterricht kann der ästhetische und der funktionale Aspekt eines Architekturentwurfs vom Fachlehrer erfasst und vermittelt werden. Tatsächlich ist der Prozess vom Kundenauftrag bis zur Realiserung eines Bauobjektes viel komplexer und kann von einem Kunstlehrer nur begrenzt umgesetzt werden. Die Kooperation mit einem örtlichen Architekturbüro bietet glaubwürdige Informationen zu den sozialen und wirtschaftlichen Aspekten des Berufs:

Besonders berücksichtigt werden sollten in dem Projekt:
Kontaktaufnahme und Gespräche mit dem Auftraggeber, Arbeit mit dem Mitarbeiterstab des Architekturbüros.

Fragen zur Kostenkalkulation, Baugenehmigung, Bauausführung und Bezahlung der Architektenleistung sollten ergänzend in das Projekt einfließen.

 

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 Zielgruppe und Fächer:

Das Projekt orientiert sich an den Schülerinnen und Schülern, die in einem Jahr ihre Abiturprüfung ablegen werden und das Fach Kunst als Grundkurs gewählt haben. Einige Schüler interessieren sich für den Beruf des Architekten, andere für den Weg in berufliche Selbstständigkeit allgemein und die Anforderungen, die im Laufe einer selbstständigen Tätigkeit gestellt werden. Wieder andere Schüler haben das Interesse, zu verstehen, wie ästhetische Gestaltung von Architektur im sozialen und wirtschaftlichen Kontext möglich ist. Für alle Schüler gilt, die Fähigkeit zu erproben, Bedürfnisse und Anforderungen von Menschen (Auftraggebern) in eine ästhetische, funktionale und kostenbewußte Gestalt (Entwurf) umzusetzen.


 Inhalte und Organisation:
Das Projekt wurde als Planspiel durchgeführt. Der Architekt übernahm die Rolle, die er auch bei der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern seines Büros einnimmt. Die Schülerinnen und Schüler übernahmen die Aufgabe bzw. die Rolle der Angestellten des Architekturbüros.

 Planungsphase:
Analyse eines privaten Wohnhauses: Der Zusammenhang von Form, Funktion und Bedarf wird an einem Grundrissbeispiel und der Wohnung eines Kursteilnehmers erkannt und verstanden. Die Methode der maßstabgetreuen Darstellung eines Wohnraums wird gelernt.

 Phase 1: Der Architekt besucht den Unterricht in einer Doppelstunde und stellt dar:

  • seine Entscheidung für den Architekturstudium
  • seine Ausbildung im Studium
  • seine Tätigkeit als angestellter Bauleiter nach dem Studium
  • seine Arbeit als selbstständiger Architekt
  • einen Bauauftrag als Beispiel mit Zeichnungen

 Phase 2:

Planung und Zielsetzung des Projekts im Unterricht als Planspiel:

  • Der Architekt führt im Unterricht das Gespräch, das er mit den Mitarbeitern seines Büros geführt hat, nachdem er einen Bauauftrag von einem Bauherrn bekommen hat und die Detais der Bauherrenwünsche mit den Beteiligten (hier: Vater, Mutter, 2 Kinder) besprochen hat. (1. Doppelstunde)

  • Die Schüler entwerfen parallel zum Architekturbüro Grundrisse und Ansichten des Bauvorhabens auf der Grundlage der Informationen des Architekten.
    (2. und 3. Doppelstunde)

  • Der Architekt berät und kritisiert die Schüler einmal während der Entwurfsphase. (4. Doppelstunde)

  • Die fertigen Entwürfe werden vom Architekten begutachtet und kommentiert.

  • Der Architekt und der Kunstlehrer bewerten die Entwürfe der Schüler gemeinsam. (6. Doppelstunde und nach der 6. Doppelstunde)

 Phase 3: Teile des Planspiels sind:

 

  • finanzieller Rahmen des Auftrags und Größe des Bauvolumens

  • persönliche Vorlieben des Bauherrn, Stil, Geschmack, Ansprechpartner, Entscheidungsstrukturen (Mann alleine, Frau alleine, gemeinsame Entscheidung u.v.a. Details)

  • Detailfragen zu gegebenen Grundfunktionen (unterschiedliche Wünsche der Beteiligten)

 Phase 4:

Die Schüler entwerfen parallel zum Architekturbüro Grundrisse und Ansichten des Bauvorhabens auf der Grundlage der Informationen des Architekten und werden vom Kunstlehrer beraten.
(2. und 3. Doppelstunde)

 Phase 5:

Der Architekt berät und kritisiert die Schüler einmal während der Entwurfsphase. Er übernimmt die Aufgabe, die er im Umgang mit seinen Angestellten hat.
(4. Doppelstunde)

 Phase 6:

Die fertigen Entwürfe werden vom Architekten begutachtet und kommentiert
Hier wird wieder ein Gespräch geführt wie es im Architekturbüro zwischen dem Architekten und den Mitarbeitern geschehen könnte. Die Schüler/innen erklären und vertreten ihre gestalterischen Lösungen.
(6. Doppelstunde)

 Phase 7:

Der Architekt und der Kunstlehrer bewerten die Entwürfe der Schüler gemeinsam.
In einem Abschlussgespräch zwischen Kunstlehrer und Kursteilnehmern wird der Sinn und der Erfolg des Projektes reflektiert. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Schüler/innen dem Ansprachestil des Architekten während der Vorstellung, der Beratung und der Bewertung, weil der Ansprachestil und die Art der Gesprächsführung sich deutlich von dem in der Schule üblichen unterschied.
(nach der 6. Doppelstunde)

 


 Partner und Kontakte:

Das Projekt wurde geplant und durchgeführt vom Kunstlehrer des Grundkurses Kunst der 12. Jahrgangsstufe Albert Schriefer und Kai Zimmermann, dem Firmeneigentümer des Architekturbüros Zimmermann. Die Art und der Umfang des Projektes wurde in der Phase 2 gemeinsam mit den Schüler/Innen, dem Architekten und dem Kunstlehrer erörtert und beschlossen.

Architekturbüro Zimmermann

Lange Straße 43
37691 Derental

05273/89803

Gymnasium Beverungen

Birkenstraße 2 - 5
37688 Beverungen

05273/5228

Albert Schriefer

Danziger Straße 61 b
37688 Beverungen

05273/5350

 

 


 Materialhinweise:

zum Entwurf von Verena Garbe bitte hier klickem

Unterrichtsbericht von Verena Garbe

Am Anfang des zweiten Halbjahres der Jahrgangsstufe 12 haben wir uns zunächst mit den Grundbegriffen der Architektur beschäftigt. Begonnen haben wir mit den griechischen Säulen- und Tempelbauten, den römischen und romanischen Basiliken und der gotischen Kathedrale. Nachdem wir uns ausgiebig mit den Fachbegriffen zur Architektur und der Geschichte der Architektur beschäftigt hatten, haben wir uns mit dem Wohnhausbau der Gegenwart beschäftigt. Da wir zuvor schon den Teil eines Gebäudes selbst als Modell gebaut hatten, wollten wir die neue Aufgabe nun etwas anders gestalten. Nach kurzem Überlegen kam uns schließlich die Idee, dass wir vielleicht einen Architekten einladen könnten und dieser uns dann von seiner Arbeit erzählen kann. Herr Schriefer nahm anschließend mit dem selbstständigen Architekten Kai Zimmermann Kontakt auf und lud ihn zu uns in den Unterricht ein. Da ich im Jahr 2002 mein zweiwöchiges Betriebspraktikum in dem Architekturbüro Zimmermann gemacht habe und mich dort sehr wohl gefühlt habe, fand ich die Idee von diesem alternativen Unterricht sehr gut.

Zunächst hat uns Herr Zimmermann etwas über seinen Beruf erzählt, z.B. über seinen Ausbildungsweg, den Schritt zur Selbstständigkeit und über verschiedene Projekte seines Büros. Nachdem uns Herr Zimmermann von seinem neuesten Auftrag berichtet hatte, kamen wir zu der Idee, dass unser Kurs doch anhand der Angaben vom Auftraggeber des Hauses ebenfalls einen Hausentwurf entwerfen könnte. Da Herr Zimmermann diesen Vorschlag sehr interessant fand, kam er ein zweites Mal zu uns in den Unterricht und stellte uns das Projekt genauer vor. Zunächst erzählte er uns von den Kunden, wie er sie selbst einschätzte, was für einen Eindruck sie auf ihn machten und was für Ideen und Wünsche sie hatten. Da die Kunden ein Haus im mediterranen Stil haben wollten, hatte die Auftraggeberin ein Hausbeispiel an den Architekten geschickt, was wir dann auch bekamen. Außerdem hat uns Herr Zimmermann die genauen Grundstücksdaten und Geländebegebenheiten gegeben und uns über die Bebauungsvorschriften in dem Gebiet aufgeklärt. Als nächstes hat er uns dann aufgrund der Kundenwünsche gesagt, welche Zimmer in welche Etage sollen und wie groß sie ungefähr sein müssen, dann die Platzierung der Garage und die Größe des Balkons, sowie die Art und Neigung des Daches.
Unsere Aufgabe bestand nun darin, praktisch in die Rolle des Architekturbüros zu schlüpfen und ein Haus nach den Vorgaben der Kunden und unter Berücksichtigung der Bebauungsvorschriften zu entwerfen. Wie wir dabei die Zimmer in der jeweiligen Etage platzierten und welche Form sie hatten, wurde uns vollkommen selbst überlassen, so lange wir die vorgegebenen Raumgrößen nicht überschritten. Jedoch merkten wir bald, dass es da doch ein paar Einschränkungen gab. So wäre es z.B. nicht sehr sinnvoll gewesen, die Küche, in der es sowieso vom Kochen immer schon sehr warm ist, nach Süden auszurichten, oder das Wohnzimmer, in dem man sich ja die meiste Zeit aufhält, in den nördlichen Teil des Gebäudes zu setzen. Auch das Grundstück war schon festgelegt, so dass wir das Haus zusätzlich auch noch danach ausrichten mussten. Dass das ganze im mediterrane Stil sein sollte, machte die Planung noch ein bisschen schwieriger, da die Häuser in unserem Umfeld einen ganz anderen Stil aufweisen. Da wir jedoch das Beispielhaus von der Kundin hatten und man sich auch im Internet Anregungen holen konnte, war dieses Problem lösbar.
Während wir in der Schule an dem Hausentwurf gearbeitet haben, hat uns Herr Zimmermann immer wieder besucht, sich die Entwürfe von jedem angeschaut und uns Tipps und Ratschläge geben, wenn etwas nicht klar war oder wie man manche Raumkombinationen vielleicht besser lösen könnte. Dabei war er sehr freundlich und hat sich mit uns intensiv beschäftigt und uns bei Problemen sofort geholfen.
Nachdem unsere Entwürfe fertig waren (sie bestanden aus Grundrissen der einzelnen Etagen und Außenansichten) hat sich Herr Zimmermann noch mal mit Herrn Schriefer getroffen und die einzelnen Arbeiten bewertet. Zudem hatten wir die Möglichkeit, unsere Arbeit in einem kurzen mündlichen Vortrag zu erklären und so unsere Absichten und Ideen deutlich zu machen.

Insgesamt hat mir diese Form von Unterricht sehr gut gefallen. Einerseits, weil ich mich für Architektur interessiere und mir mein Praktikum im Architekturbüro Zimmermann auch sehr gut gefallen hat und andererseits, weil wir so die Chance hatten, einen hautnahen Einblick in diesen Beruf und in die Arbeit eines Architekturbüros zu bekommen. Zudem war es eine gelungene Alternative zum üblichen Unterricht und auch sehr hilfreich, da man seine Theoriekenntnisse direkt in die Praxis umsetzen konnte. Außerdem hat Herr Zimmermann alles sehr anschaulich erklärt, uns sehr gut geholfen und seinen Beruf interessant und spannend rübergebracht.

zum Entwurf von Verena Garbe bitte hier klickem